| ...war eben immer ein Theaterherz... |
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| Geschrieben von: Braunschweiger Zeitung |
| Montag, den 21. Juni 2010 um 12:15 Uhr |
...war eben immer ein Theaterherz...Was mag Staatstheater-Intendant Wolfgang Gropper bei seiner Abschieds-Gala durch den Kopf gegangen sein? Von Martin Jasper
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Wenn ein Mensch über vier Stunden lang im Zentrum eines Festaktes steht, fragt man sich: Was geht eigentlich in dessen Kopf vor? Da kann man nur spekulieren. Etwa so: Na, da sind wir ja jetzt gespannt. Die Ministerin Wanka hat nie was gesehen hier im Theater, kann sie ja auch nicht... Woll’n mal hören, wie sie sich aus der Affäre zieht... Nicht ungeschickt, wie sie genau das gleich klarstellt und ihren Besuch zur Respektsbekundung erklärt... vor mir, aber auch vor dem Theater. Souverän, die Frau. Schöne Geste, wichtige Geste, sie hätte ja nicht kommen müssen... Jetzt der Oberbürgermeister. Hat das Theater immer gut behandelt, da kann man nicht meckern. Sie hätten mich geliebt, die Braunschweiger, sagt er, jo mei. Ich mag sie schon auch, die Leute hier, sind mir ans Herz gewachsen über die Jahre... Aber lieben tu ich meine Annagerlinde... Was? Hat er gerade "solide" gesagt zu meinem Theater? Na ja, er hat’s ja gut gemeint. Nu’ der Schanz. War schon ein Glück, dass ich den dabei hatte, als es hier losging... Wie wir die Braunschweig-Linie ausbaldowert haben... Jaha, das Herz auf der Zunge, das bayrische, das ist mir manchmal durchgegangen, da hat er schon recht, der Schanz... War eben immer ein Theaterherz... Und die Katja Ott, meine Schülerin, aus der ist auch was geworden, ist jetzt selbst Intendantin, das freut einen. Jaja, die Proben, das war schon mein eigentliches Leben. Da war ich ein glücklicher Mensch. Oder total verzweifelt. Ein bisschen liebevolle Ironie ist da im Spiel bei der Katja. So ganz unanstrengend war ich wohl nicht für die Theaterkünstler... Dabei liebe ich die wirklich... Oh, das war ja ein bemerkenswerter Satz gerade von der Katja: Womöglich sei der neue Lebensabschnitt die schwierigste Inszenierung meines Lebens... Kann man ins Grübeln kommen... Der Phantomschmerz wird wohl heftig sein... War aber trotzdem genau der richtige Zeitpunkt zum Aufhören... Schön, wenn man den Zeitpunkt erwischt... Aaaah, jetzt spielen sie. Noch einmal alles. Gut zusammengestellt vor allem der Schauspiel-Durchlauf. Tolle Bandbreite! Gut, dass sie auch Sachen reingenommen haben, mit denen wir angeeckt sind... Die Blankenese-Polonaise aus "Romeo und Julia". Und, au weia: die nackt-verschmierte Trashtheater-Parodie aus "Tango". Ach, die Schauspieler! Ich liebe sie! Hoffentlich machen sie alle einen guten Weg.... Ist ja nicht gerade leichter geworden in unserem Wandergewerbe heutzutage... Schönes Wiedersehen mit Sabine Waibel. Die Szene aus der "Frau vom Meer". Die Waibel ist noch genau so frisch und eigenwillig wie damals... Dirk Lange! So eine Bühnenpräsenz haben nur wenige... Oh: Johannes Walther gibt nochmal den Lear... Verzweiflung wie aus einem bodenlosen Brunnen. Da läuft mir ein Schauder übern Rücken... Jetzt redet Martin Weller vom Orchester. Klug, aber ’n bisschen umständlich. So isser... Da hat er Recht: Ich war immer solidarisch mit ihm und seinen Neue-Musik-Ideen. War nicht immer leicht... Wenn ich an das Hubschrauber-Konzert denke... Endlich die Oper. Meine späte Liebe als Regisseur! Dagmar Schellenberger mit der "Zeit"-Arie aus dem "Rosenkavalier". Für mich der Höhepunkt des Abends... neben Walther... Es war wunderbar, mit ihr zusammenzuarbeiten. Es war überhaupt eine tolle Arbeit am Rosenkavalier... Flirtet mich jetzt ganz schön an von der Bühne, die Schellenberger. "Du sollst der Kaiser meiner Seele sein"... Ach ja, Theaterblut... Jetzt muss ich rauf, hilft nichts... Bloß nicht sentimental werden. Paar markige Sätze übers Theater. Wir brauchen es doch, Herrgottsakra! Mehr denn je! Beste Wünsche an den Nachfolger Joachim Klement, schön, dass er da war. Geschafft, Erleichterung. Glück, Standing Ovations.... Ich liebe sie doch, die Leut’! Jetzt ein Glas Wein... Mein Gott, nu’ singen die noch alle zusammen "Sag beim Abschied leise Servus"... Wie soll man denn da nicht... Montag, 21.06.2010 |