| Frei-Schützenfest |
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| Geschrieben von: Braunschweiger Zeitung |
| Samstag, den 14. August 2010 um 11:18 Uhr |
Frei-SchützenfestCarl Maria von Webers romantische Oper hat am 14.08.2010 auf dem Burgplatz Premiere – Mark Adler singt den Max Von Andreas Berger
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"Durch die Wälder, durch die Auen" – die Arie des Jägerburschen Max in Carl Maria von Webers "Freischütz" klingt wie ein Manifest der Romantik.Erst schmelzende Naturbeschreibung als Zeichen der Übereinstimmung von Mensch und Schöpfung, dann der dramatische Ausbruch: "Mich fasst Verzweiflung, foltert Spott". Der Druck von Gesetz und Tradition, der Probeschuss, um Erbförsterei und Geliebte zu erringen, entzweit den Menschen mit dem natürlichen Urvertrauen, das Selbstbewusstsein ist angeknackst.
Und schon fühlt er sich unwohl bei den frommen Gesängen seiner Agathe, schon zieht es ihn tiefer hinab ins Unterbewusstsein, wo in des Menschen Seele die Wölfe heulen: Die Wolfsschlucht ist der Prototyp für das Nachtseitig-Abgründige, das die Romantik eben gleichfalls kennt. Gern laden Inszenierungen die von Weber vorgesehenen Geistererscheinungen mit erotischen Motiven und Kriegsgerät auf. Die märchenhafte Schwarzweiß-Malerei steht psychologisch für die widerstreitenden Gefühle in jedem Menschen. Die erwünschte Harmonisierung führt ausgerechnet der alte Theatergott des Eremiten herbei, der nicht auf Strafe setzt und so das tragische Ende wendet. Er gibt die Gnade seines Gottes an die Menschen weiter und rettet so das Brautpaar Max/Agathe. Er verbietet künftig den Probeschuss, beschämt so die Eiferer und schafft eine von Verständnis und Mitgefühl geprägte Gesellschaft. Da wird so mancher Bürger, der auf Gewehre und Tradition setzte, umlernen müssen. In der Premiere heute Abend auf dem Braunschweiger Burgplatz singt Mark Adler den Max. Schussangst muss er nicht haben, denn er hat die Partie bereits in Hagen ausprobiert. Aber er kennt sie schon länger. "Als ich 12 war, hat mir mein Vater eine Freischütz-Schallplatte geschenkt, da habe ich die Max-Arie schon bald mitgesungen. Den Text brauchte ich auch jetzt nicht wieder neu zu lernen", erzählt der 42-Jährige. Obwohl Vater Korrepetitor und Mutter Sängerin war, wurde ihm von der Opernkarriere abgeraten. "Mit 19 bin ich erstmal als Helfer zu einer evangelischen Gemeinde nach Tansania gegangen." Dann studierte er Germanistik, fiel aber im Hochschulchor mit seinem Tenor bald so auf, dass er Solo-Aufgaben bekam und doch zum Gesang wechselte. Nach fünf Jahren Festengagement in Darmstadt will er jetzt frei arbeiten, sich weiter im jugendlich-dramatischen Fach beweisen, so wie mit Max. Seine drei Kinder stehen übrigens mehr auf Popmusik, aber sie kommen, den Vater anzuhören, "wenn es was zu sehen gibt". Das dürfte bei Andreas Baeslers "Freischütz"-Inszenierung der Fall sein. Trachtenkostüme, Schützenscheiben, Gartenzwerge und ein Feuerwerk in der Wolfsschlucht sollten auch Kinder begeistern. Samstag, 14.08.2010 |