| Frühlingsweben, Liebeswerben, Himmelserotik |
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| Geschrieben von: Braunschweiger Zeitung |
| Montag, den 16. August 2010 um 11:36 Uhr |
Frühlingsweben, Liebeswerben, HimmelserotikCarl Orffs "Carmina Burana" mit dem Staatsorchester Braunschweig wetterbedingt in der Stadthalle Von Andreas Berger
Carl Orffs mittelalterliche Gesänge der "Carmian Burana" sind Expressionismus, geschärfter Holzschnitt, nicht Alte Musik. Sebastian Beckedorf ließ da in seiner dynamisch spannungsstarken Interpretation mit dem Staatsorchester keinen Zweifel. Wuchtig klingt der Fortuna-Chor im Takt eines schwerfälligen Rades, dann wieder kommen messerscharf prägnant die Textsilben wie tausend kleine Rädchen der einen großen Maschine Welt. Begeisternd, wie der Braunschweiger Domchor, vorbereitet von Gerd-Peter Münden und Arno Brüers, das artikuliert, und die Kinder der Kurrende II helfen mit. Eindrucksvoll zudem, wie ausdauernd der Domchor auch die kraftvollen Passagen meistert und wie stilsicher er sich den Spielarten des Frühlings- und Liebeswebens hinzugeben vermag. Da zaubert Beckedorf schön weich das Aufgehen des Frühlings (Veris leta), lässt drängend schnell den Tanz ausführen, dann beschwingt atmend das Grünen des Waldes (Floret Silva). Der Reigen gerät vielleicht etwas zu träge, doch so lotet er die Extreme aus. Und wenn die 30 Männerstimmen präzise ihre Trinkarie ins Rollen bringen (Bibit hera), baut sich das zu einem satten Rausch auf. Ein Glücksfall sind auch die Solisten. Tenor Steffen Doberauer charakterisiert den gebratenen Schwan mit Kopfstimme und furchtvollen Wacklern vor den bleckenden Zähnen. Seine Platzierung beungünstigt freilich eine Stadthallenhälfte. Mit schön warmem Bariton empfiehlt sich Orhan Yildiz, der als saufender Abt auch dramatisch aufdrehen kann, aber vor allem durch seine Liebesrede mit geschmeidiger Kopfstimme auffällt (Dies, nox). Beglückend das Wiedersehen mit Rebecca Nelsen, die wunderschön weich und innig (und kokett) das Liebesjoch trägt (In trutina) und sich mühelos, treffsicher und leuchtend schön in die Höhen des "Dulcissime" schwingt. Himmelserotik! Mit solchen Sängern und Chören könnte man die Orff-Oper mal wieder inszenieren. Heftiger Applaus. |