| Vom Betteln auf großer Bühne |
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| Geschrieben von: Braunschweiger Zeitung |
| Mittwoch, den 03. November 2010 um 13:53 Uhr |
Vom Betteln auf großer BühneEin junges Team bringt "Pünktchen und Anton" als Weihnachtsmärchen heraus Von Florian Arnold
Bettelnde Kinder sind in den Einkaufsmeilen unserer Region noch eine Ausnahmeerscheinung. In Teilen Berlins nicht mehr, sagt der gebürtige Schöneberger Holger Foest. Kinderarmut manifestiere sich aber nicht nur in Schnorrerei. "Auch in Kleidung und Verhalten. Man muss nur die Augen aufmachen." Seit Spielzeitbeginn gehört Foest zum Ensemble des Jungen Staatstheaters Braunschweig. Von Samstag an spielt der 26-Jährige das Straßenkind Anton in der Bühnenfassung von Erich Kästners "Pünktchen und Anton". Premiere ist um 16 Uhr im Großen Haus. Der 80 Jahre alte Klassiker über die Freundschaft zweier Kinder, die aus ganz verschiedenen Motiven betteln, habe durchaus noch Relevanz. Dennoch versetze ihn Regisseur Robin Telfer nicht in die Gegenwart, sondern belasse die Handlung im Berlin der 20er Jahre, erzählt Dramaturg Christoph Macha. "Auf der Bühne kann man Realität ohnehin nie direkt abbilden, es bleibt Bühnenwirklichkeit." Aber die könne die Zuschauer intensiv berühren und sie für reale Wahrheiten öffnen. Ein intensives Erlebnis für Macha selbst war eine Aufführung von Ingeborg Bachmanns "Der gute Gott von Manhattan" in Zürich. Besonders gut gefiel ihm ein Absolvent der dortigen Hochschule für Künste: Holger Foest. "Sein Spiel war präzise und kraftvoll. Man merkte, dass er Mut hat, nach neuen Formen zu suchen", sagt Macha, selbst 24 Jahre jung und frisch vom Dramaturgie-Studium in Leipzig nach Braunschweig gekommen. Auf der Suche nach Schauspielern für den Neustart des Jungen Staatstheaters erinnerte er sich an Foest und lud ihn zum Vorsprechen ein. "Es gibt junge Schauspieler, die lieber auf ein festes Engagement verzichten, als Kindertheater zu machen", sagt Macha. Foest gehört nicht dazu. Er finde es spannend, für Kinder zu spielen, sagt er: "Die mögen klaren Realismus und handfeste, kurze Szenen. Alles muss stringent und energisch sein. Ist man einen Moment nicht voll da, sackt die Aufmerksamkeit ab." Damit das im neuen Weihnachtsmärchen des Staatstheaters nicht passiert, sind auch zwei Musiker mit von der Partie. Und die Schauspieler rappen auch schon mal. Apropos Märchen: An diesem Punkt entzündet sich eine kurze Debatte zwischen den Darstellern von Pünktchen und Anton. "Ich finde das Ende märchenhaft", meint Foest. "Nein, das kann wirklich passieren", hält Alisa Levin dagegen. Wie Foest ist die 24-jährige Hamburgerin neu im Ensemble. Nach ihrem Studium an der Hochschule für Musik und Theater sammelte sie Erfahrungen im Thalia-Theater und im Jungen Schauspielhaus Hamburg. "Nun wollte ich mal die Stadt wechseln. Der Neubeginn in Braunschweig hat mich gereizt", sagt sie. Mittwoch, 03.11.2010 |