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Chinas absurde Helden Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Braunschweiger Zeitung   
Dienstag, den 30. November 2010 um 11:29 Uhr

Chinas absurde Helden

Interview mit Regiestar Meng Jinghui zu seinen Braunschweiger "Lebensansichten"

Meng Jinghui

Experimentelles Theater gibt es sogar im autokratisch regierten China. Einer der erfolgreichsten Regisseure ist Meng Jinghui aus Peking. Seine Gesellschaftssatire "Lebensansichten zweier Hunde" ist als deutschsprachige Erstaufführung am Staatstheater Braunschweig zu sehen. Florian Arnold befragte Meng, 45, per Email zur Theaterszene in China. Seine Antworten wurden von der Braunschweiger Übersetzerin Ma Fengjun übertragen. Fragen zum Umgang der chinesischen Regierung mit Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo blieben unbeantwortet.

Wer sieht sich in China experimentelle Theaterstücke an?

Intellektuelle, Studenten, Jugendliche mit eigenen Ideen. China entwickelt sich rasant, die Sicht der chinesischen Jugendlichen hat sich internationalisiert. Die Zuschauer experimenteller Theaterstücke sind Menschen voller Ideen und Ansprüchen an das Leben.

Sie arbeiten in Ihren Stücken viel mit Ironie. Gibt es einen spezifisch chinesischen Humor?

Die chinesische Sprache ist eigenartig, der Humor chinesischer Prägung beruht auf diesem Sprachsystem. In meinen Stücken empfinden die Zuschauer an vielen Stellen Ironie – gegenüber der Welt, aber auch Selbstironie.

Bitte erzählen Sie einen typisch chinesischen Witz.

Es war einmal ein Eis am Stiel. Ihm war zu heiß, da ging es schwimmen – und war geschmolzen. Dieser Witz aus dem Theaterstück "Amber" (Bernstein) ist typisch chinesisch: voller Humor, Ironie, aber auch Grausamkeit und Intelligenz. Den mag ich.

Wie steht der chinesische Staat zum modernen Theater und zum Theater überhaupt?

Die Regierung und die Kulturbehörden unterstützen mit viel Kraft die Entwicklung des Theaters. China ist ein Land, das das Theater ehrt und eine lange Theatertradition hat.

Gibt es in China Staatstheater oder sind die Bühnen privat finanziert?

Es gibt Staatstheater, ich bin selber als Regisseur an einem angestellt. Unser Theater wird teils von der Regierung und teils durch den Kartenverkauf finanziert. Wir bekommen auch Unterstützung von Firmen.

Ihr Stück handelt von zwei Dörflern, die ihr Glück in der Stadt suchen. Was wissen Sie über Wanderarbeiter und das Leben auf dem Land?

Das Stück hat nichts mit einer bestimmten Gruppe wie Wanderarbeitern zu tun. Es handelt vielmehr von der Beziehung zwischen Traum und Wirklichkeit im Leben, von der Haltung der Menschen zu ihren Idealen. In diesem Stück wird diskutiert, ob man auf der Realisierung seiner Ideale beharren kann. Die Helden sind wie Wladimir und Estragon in Becketts "Warten auf Godot": Einer ist ein hedonistischer Materialist, der andere ein Idealist. Sie sind Rebellen, wollen sich gleichzeitig aber auch in die Gesellschaft integrieren. In China wurde es in den letzten drei Jahren 600 Mal gespielt.

Auf welchen Traditionen basieren Ihre Stücke und Ihre Art zu inszenieren, europäische oder chinesische?

Elite und Müll aller menschlichen Kulturen gefallen mir.

Werden Sie sich die deutschsprachige Erstaufführung Ihres Stückes in Braunschweig ansehen?

Hoffe ich.

Wieder am 12., 19., 23. Dezember, 19.30 Uhr, Kleines Haus.

Dienstag, 30.11.2010
 

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